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Ist ein Computer für das Schachtraining notwendig?

Sergey Karjakin became a GM at 12 years old

Der junge Bobby Fischer

Computerschachprogramme haben sich zu Beginn des 21. Jahrhundert zu außergewöhnlicher Stärke entwickelte und können die weltbesten menschlichen Spieler durch und durch schlagen. Das Ausmaß der Veränderung des Schachspiels in den vergangen 20 Jahren durch Computer steht außer Frage, durch sie erhöhte sich nicht nur das Niveau, sondern machten Schachtraining zudem effizienter und effektiver. Bobby Fischers Rekord von 1958 als jüngster Großmeister im Alter von 15 Jahren wurde bis dato wiederum 20 Mal gebrochen, den aktuellen Rekord hält Sergei Karjakin aus Russland, der 2002 im Alter von 12 Jahren zum GM wurde. Seit der Einführung von starken Schachprogrammen in den 1990ern Jahren hat das Schachspiele eine völlige Revolution auf allen Ebenen erfahren.

Die guten Seiten: Effektivität und Effizienz

Während sich Bobby Fischer die russische Sprache selbst beibrachte, um die Lehren seiner sowjetischen Gegenüber studieren zu können, ist der Informationszugang im 21. Jahrhundert meist nur einen Mausklick entfern. Als der Schachinformator 1966 zum ersten Mal erschien, wurde hierin ein Grundstein zur Schachentwicklung gelegt. Gedruckte Nachschlagewerke waren verglichen mit der Gegenwart jedoch lediglich der Anfang: Heute sind Spieldatenbanken, kostenloses Lehrmaterial in Form von Videos oder Artikeln sowie kostenlose Software/Analyseprogramme überall erhältlich. Es gibt eine Fülle von Werkzeugen sind völlig umsonst erhältlich, solange man über einen Internetanschluss verfügt (OnlineChessLessons.NETChessGames.comChessDailyNews.comChessCube.com). Wenn ein Schachschüler es beherrscht, sich diese Ressourcen auf die richtige Art und Weise zunutze zu machen, kann er oder sie im Vergleich zu einem Schüler vor 20 Jahren wesentlich schneller vorankommen (womit sich auch der Anstieg 12-jähriger GM erklären lässt).

Die guten und die hässlichen Seiten: den Computer falsch verwenden

Sergei Karjakin wurde im Alter von 12 Jahren GM

Meine Wertzahl liegt bei rund 2200 und ich habe in den vergangen zehn Jahren regelmäßig Schach unterrichtet. Im Laufe der Zeit habe ich viele Schachbücher gelesen und mir Datenbanken immer wieder zunutze gemacht – und dabei Schachprogramme bestenfalls für die Überprüfung einer sehr komplizierten Variante oder Partie benutzt, wobei sogar das extrem selten vorgekommen ist. Dafür gibt es mehrere Gründe, aber in erster Linie  ziehe ich es vor, die Arbeit selbst zu verrichten  – eine gründliche Steigerung meines Verständnisses für eine Partie ist mir wichtiger als auszulesen, dass die qualitative Signifikanz von Weiß in einer bestimmten Stellung +.67 beträgt. Auch wenn Schach im Kern aus Mathematik besteht (schließlich gibt es 10 hoch 40 mögliche Resultate), können Verbesserungen im Schach nur durch harte und sinnvolle Arbeit erzielt werden. Im Verlauf meines Schachunterrichts über das vergangene Jahrzehnt haben mich Schüler (Kinder und Erwachsene) regelmäßig gefragt, wie man die neuste Version von Fritz benutzt. Aufgrund meines gerade beschriebenen Erfahrungsmangels mit Schachcomputern konnte ich auf diese Frage keine hilfreiche Antwort beisteuern, halte jedoch an meiner Sichtweise fest:  wer die Arbeit selbst ausführt, wird mehr lernen und sein Tiefenverständnis für das Spiel weiter ausprägen. Beim Schach geht es nicht um das Auswendiglernen von Varianten, beim Schach geht es ums Verstehen.

Untersuchung mit Großmeistern

In den vergangenen Monaten habe ich für die aktuelle Serie “Wie man Großmeister wird” mit über 40 Schachgroßmeistern gesprochen. Dabei kam eine Fülle von Themen zur Sprache und unter anderem habe ich sie auch zu ihrer Meinung zum Einsatz von Computern beim Schachtraining befragt. Natürlich kann man Computer beim Schach auf verschiedene Weisen nutzen (Spieldatenbanken, taktische Trainingswerkzeuge, Internetblitzpartien, Schachprogramme, usw…), daher wollte ich vor allem wissen, welche dieser Werkzeuge GM sich auf dem Weg zu ihrem Erfolg wann und wie zunutze gemacht haben. Spieldatenbanken erhielten hierbei eine hohe Empfehlungsrate, wobei mehr auf Qualität als Quantität zu achten sei. Taktische Trainingswerkzeugen seinen einfach und effizient zu nutzen und sollten von Spielern aller Niveaus als Teil einer täglichen Trainingsroutine eingesetzt werden. Auch Internetblitz wurde im Großen und Ganzen positiv bewertet, wobei der allgemeine Rat lautete, es damit nicht zu übertreiben. Die Nutzung von Schachprogrammen erwies sich in den Gesprächen als kompliziertes Thema, jedoch rieten beinahe alle von mir interviewten Großmeister Spielern von einer Nutzung von Schachprogrammen ab, so lange sie sich nicht auf einem sehr fortgeschrittenen Niveau befänden. Der Hauptgrund dafür darin, dass die Nutzung solcher Programme für Anfänger und fortgeschrittene Anfänger im Prinzip als reine Zeitverschwendung anzusehen ist. Meistens durchkämmen Spieler die Varianten in Lichtgeschwindigkeit, ohne dass sie das Angeschaute tatsächlich auch verstehen. Deshalb lautet mein Rat an durchschnittliche Vereinsspieler, sich an die einfachen und gut zu verstehenden Werkzeuge zu halten und die Nutzung eines Schachprogramms nur im äußersten Fall in Erwägung zu ziehen.

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